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Das Innere Kind Akzeptieren

Autor: Marie T. Russell  

Übersetzung: Susanna Naldöken 
& Barbara Diertl 

So viele von uns verbringen ihr Leben damit, immer besser zu sein als... besser zu sein als andere, besser zu sein als sie sind, oder besser zu sein als sie waren. Wir haben ein Bild in unserem Kopf, ein Bild davon, wie das Leben sein "sollte", und wir bemühen uns, diesem Bild entsprechend zu leben. Wie auch immer, es ist nur ein Bild. Es ist unser Phantasieprodukt, oder das der anderen, eine Einbildung.

Genauso wie Bruce Willis in "The Kid" versuchen wir ständig, etwas zu "schaffen" --- es zu schaffen, uns selbst zu ändern, andere zu ändern, und unsere Welt zu ändern. Oberflächlich gesehen mag das eine gute Sache sein... schließlich möchten wir ja bessere Menschen werden. Ja, aber zu welchem Preis? Versuchen wir denn, jemand zu werden, der wir nicht sind? "The Kid" bringt es auf den Punkt, als er sagt (und ich gebe das frei wieder), der Job seines erwachsenen Selbst als Image-Berater hat zur Folge, dass er "Menschen hilft, zu verbergen, wer sie sind, damit sie vorgeben können, jemand zu sein, der sie nicht sind."

Bei dem Versuch, uns selbst zu "verbessern" müssen wir uns folgende Frage stellen... Versuchen wir uns zu verbessern, weil wir es nicht aushalten können, wer wir sind? Haben wir eine so starke Abneigung gegen uns, dass wir es kaum erwarten können, jemand anders zu werden? Wenn das der Grund dafür ist, dass wir Workshops für persönliches Wachstum besuchen oder Bücher lesen, die von der Verbesserung der eigenen Person handeln, dann denke ich, dass wir am falschen Platz anfangen.

Haben wir akzeptiert, was uns unsere ganze Kindheit hindurch gesagt wurde (manchmal unterschwellig, manchmal offenkundig)? Dass wir nicht gut genug sind? Dass wir dumm, hässlich, vertrottelt, nutzlos sind, dass man nicht mit uns spielen will, dass wir niemals etwas bedeuten würden, was auch immer, was auch immer... Haben wir uns diese Bemerkungen zu Herzen genommen – Bemerkungen von einem ärgerlichen oder konfusen Elternteil, von einem unsicheren Geschwisterteil, einem verängstigten, tyrannisierenden Klassenkameraden, einem erschöpften Lehrer? Haben wir uns diese Bemerkungen zu Herzen genommen und dann angefangen, eine Mauer um uns zu errichten, damit andere uns nicht länger auslachen oder verspotten können? Haben wir die Türe zu unserem Herzen verschlossen, um nicht mehr verletzlich zu sein, um nicht verletzt zu werden?

Wie viele von uns haben die Türe zu ihrem Herzen verschlossen und sich geschworen, sich niemals mehr so verletzen zu lassen? Wie viele von uns mühen sich ab, "ein Erfolg zu werden", um "ihnen zeigen zu können", dass wir okay sind, dass wir liebenswert sind, dass wir "etwas wert" sind, dass sie Unrecht hatten mit ihrem Urteil über uns? Oder bist du den anderen Weg gegangen... hast du einfach akzeptiert, was "sie" dir sagten und dich nicht einmal bemüht, es zu versuchen... Akzeptiert, dass du nicht liebenswert bist, dass du wertlos bist, niemals jemand sein wirst...

Warum zurück in die Kindheit gehen? Sollen wir all die schmerzhaften Ereignisse heraufholen, jedes einzelne untersuchen und dem Schmerz ins Gesicht sehen? Das mag ein Teil des Prozesses sein, aber es ist nicht das Ziel. Können wir jedem in unserer Vergangenheit vergeben? Nochmals: Das mag ein Teil des Prozesses sein, aber es ist nicht das Ziel. Können wir uns selbst vergeben? Wieder ein Teil des Prozesses...

Es ist so wichtig für uns, wieder in Berührung mit dem Kind zu kommen, das wir einst gewesen sind, damit wir lernen, dieses Kind zu lieben, genauso wie es war. Mit dem Lispeln, den Pickeln, den Pausbacken, oder was auch immer es war, das dir das Gefühl gab, dich nicht lieben zu können. Was immer es auch war, das dir das Gefühl gab, "nicht gut genug" zu sein." Was immer es auch ist, weswegen du dich noch immer verurteilst und niemanden in dich hineinsehen lässt... Wer immer du warst, dass du so bemüht bist, dich zu ändern... Das Ziel ist, "zurück in die Kindheit zu gehen", sodass du diese Person letztendlich lieben kannst, dieses Kind... Dieses Kind, das einfach sein Bestes getan hat unter diesen Umständen... wie auch immer sie ausgesehen haben...Ob nun deine Kindheit so einigermaßen ok war, oder miserabel, oder sogar glücklich, da gibt es einen Geist, den Du möglicherweise zu begraben versuchst... und dieser Geist bist du.

Wenn wir uns nicht selbst lieben können, wenn wir keine Liebe und kein Mitgefühl für das Kind empfinden können, das wir waren, dann versuchen wir einfach. jemand anders zu sein, jemand, der wir nicht sind. Natürlich haben wir Fehler gemacht, natürlich haben wir dumme Dinge in unserer Kindheit gemacht , natürlich haben wir sie "nicht alle beisammen" gehabt, natürlich haben wir oft die Schuld für etwas auf uns genommen, das nichts mit uns zu tun hatte... Nein, es war nicht deine Schuld, dass dein Vater jeden Tag zur Arbeit gehen musste, um die Familie zu ernähren. Nein, es war nicht deine Schuld, dass die anderen Kinder sich in einem Kreis zusammengeschlossen haben und über dich redeten oder über dich lachten, oder was auch immer... Das war nicht deine Schuld! Es war einfach nur eine Erfahrung, die du machtest, während du aufgewachsen bist! Und das ist alles! Es war nicht "wegen dir" – es war nicht "deine Schuld".

Der Film "The Kid" ermutigt uns, das Kind, das wir waren, kennenzulernen– nicht, um es zu ändern, sondern um zu verstehen, wo es gewesen ist, wo es hingeht, und wo es wirklich sein möchte. Möchte es wirklich ein mächtiger leitender Angestellter sein, der sich vor allen anderen als Chef aufspielt, oder möchte es einfach nur lieben oder geliebt werden? Macht ihn der erfolgreiche Job, das große Haus, das großartige Auto wirklich erfolgreich und nicht länger zum "Verlierer" als der er sich immer gefühlt hat? Oder ist er sogar mit all diesem Drum und Dran des Erfolges ein Verlierer? Und ist es zu spät, am Abend seines 40. Geburtstages endlich zu lernen, wie man hier und jetzt eine glückliche Kindheit haben kann? Kann er das Kind, das er war, "ausgraben" und es endlich herauskommen und spielen lassen, es endlich es selbst sein lassen? Endlich seine eigenen Träume leben, nicht die von jemand anderem?

All diese Fragen, und noch viel mehr, sind etwas, das wir uns vielleicht nicht mehr fragen möchten. Wenn unser inneres Kind in unserem heutigen Leben auftauchen würde, würden wir das Leben leben, von dem es immer geträumt hat? Oder wären wir in seinen Augen noch immer ein "pathetischer Verlierer", der sich bloß wie besessen abarbeitet, um jemand zu werden, der er nicht ist... Anstatt zu versuchen, "jemand zu werden" sollten wir erkennen, dass wir bereits jemand sind und es vielleicht an der Zeit ist, zu erkennen, wer das ist... Anstatt zu versuchen, ein neues "Ich" zu entwerfen, oder zu glauben, dass wir das laufende Modell unseres Selbst in Ordnung bringen müssen, müssen wir möglicherweise dieses "Original" von uns selbst ausgraben, sehen, wer das wirklich ist und uns endlich so sein lassen, wie wir wirklich sind...

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Übersetzt aus "Accepting The Kid" bei www.innerself.com.

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Über den Autor:

Marie T. Russell ist die Herausgeberin der Zeitschrift "InnerSelf Magazine" (http://www.innerself.com) und der "Natural Yellow Pages" (http://www.naturalyellowpages.com). Ihre Artikel konzentrierten sich auf Umwandlung und Wiederfindung der eigenen inneren Quellen von Freude und Kreativitaet. Sie koennen mit Marie Kontakt aufnehmen unter marie@innerself.com (in Englisch/Französisch).

Übersetzung:

Susanna Naldöken lebt und arbeitet in Wien. Sie studierte Psychologie und Journalismus an der Universität von Wien und was Chefredakteurin eines Wiener Stadtmagazines. Sie spricht Deutsch, Englisch, Spanisch und Türkisch. 
Email: unicorn-14@about.com.

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